Seit dem 24. August läuft Werbung in ChatGPT auch in Deutschland. Die meisten Unternehmen, die uns dazu fragen, haben schon Google Ads und wollen wissen: Lohnt sich ChatGPT zusätzlich, oder sollte ich Budget umschichten? Unsere Antwort ist selten ein Entweder-oder. Die beiden Kanäle erreichen Menschen in unterschiedlichen Momenten. Welcher Moment für dein Geschäft zählt, entscheidet über die Aufteilung. Die Entscheidungshilfe weiter unten macht daraus in einer Minute eine Empfehlung.
Der Grundunterschied: Suchbegriff gegen Gespräch
Bei Google Ads buchst du Suchbegriffe. Jemand tippt „Solaranlage Angebot Bremen“, und deine Anzeige steht neben denen deiner Wettbewerber. Wer so sucht, weiß meist schon, was er will, und vergleicht Anbieter.
Bei ChatGPT Ads gibt es keine Keywords. Du beschreibst Situationen, in denen deine Anzeige passen würde, die sogenannten Context Hints. Der Nutzer erzählt ChatGPT sein Anliegen, oft mit Budget, Rahmenbedingungen und offenen Fragen. Unter der Antwort erscheint dann, klar als gesponsert markiert, deine Anzeige. Die Antwort selbst beeinflusst sie nicht.
Vereinfacht: Google erreicht Menschen, die suchen. ChatGPT erreicht Menschen, die noch abwägen und sich beraten lassen.
Die wichtigsten Unterschiede im Überblick
| Google Ads (Suche) | ChatGPT Ads | |
|---|---|---|
| Ausspielung | auf Suchbegriffe | auf Gesprächssituationen (Context Hints) |
| Platzierung | neben mehreren Wettbewerbsanzeigen | einzeln unter der Antwort, als gesponsert markiert |
| Wer sieht die Anzeige | praktisch alle Google-Nutzer | eingeloggte Nutzer von ChatGPT Free und Go; Plus, Pro, Business und Enterprise sind werbefrei |
| Abrechnung | pro Klick, mit automatischen Gebotsstrategien | pro Klick, pro 1.000 Einblendungen oder optimiert auf Conversions |
| Klickpreis | in Deutschland branchenübergreifend rund 1 bis 2 Euro, in Recht oder Finanzen 8 Euro und mehr | keine offizielle Preisliste; für den Start werden 3 bis 5 US-Dollar Höchstgebot empfohlen |
| Mindestbudget | keins | 15 Euro pro Tag im deutschen Ads Manager |
| Steuerung | Suchbegriffsbericht, ausschließende Keywords | keine Keywords, keine Ausschlussbegriffe, kein Suchbegriffsbericht |
| Nicht oder kaum buchbar | je nach Branche eingeschränkt | Gesundheit und Finanzen außerhalb der USA, Alkohol, Tabak, Glücksspiel, politische Werbung |
| Reife | seit über 20 Jahren, viele Vergleichsdaten | in Deutschland seit August 2026, neue Funktionen fast wöchentlich |
Was kostet mehr?
Pro Klick ist ChatGPT derzeit meist teurer als Google. Der Klickpreis allein sagt aber wenig. Entscheidend ist, was eine Anfrage und am Ende ein Auftrag kostet. Wie das bei ChatGPT Ads in der Praxis aussieht, zeigen wir mit echten Zahlen im Beitrag Was kosten ChatGPT Ads?.
Ein direkter Kostenvergleich mit Google Ads ist bei uns noch schwierig. Bei vielen Kunden wissen wir, was eine Anfrage kostet, aber nicht, wie viele davon zu Aufträgen werden, weil diese Rückmeldung fehlt. Ohne diese Zahl bleibt jeder Vergleich auf Anfrage-Ebene stehen.
Wie gut sind die Anfragen?
Hier sehen wir bisher den deutlichsten Unterschied. In unseren ChatGPT-Kampagnen kommen so gut wie keine Fake- oder Spam-Anfragen an, die bei Google Ads zum Alltag gehören. Die Anfragen sind außerdem konkreter: Die Menschen wissen schon ziemlich genau, was sie wollen.
„Die Nutzer haben direkt schon eine Vorstellung. Wahrscheinlich, weil ChatGPT eine mögliche Anfrage gleich mit definiert. Das ist aber eine reine Vermutung.“
Timo Bahr, TIBA CREATIVE
Ein Punkt entscheidet dabei mehr als der Kanal: die Reaktionszeit. Die Abschlussquote ist bei uns dann sehr hoch, wenn innerhalb von vier bis acht Stunden nachgefasst wird. Am besten wird sofort angerufen, sobald die Anfrage eingeht und eine Telefonnummer dabei ist. Wer erst nach zwei Tagen antwortet, verschenkt den Vorteil der besseren Anfragen.
Wann Google Ads die bessere Wahl bleibt
- Akuter Bedarf: Rohrbruch, Schlüsseldienst, Abschleppdienst. Wer sofort Hilfe braucht, googelt und fragt nicht erst eine KI um Rat.
- Entscheider in größeren Unternehmen: Wer ChatGPT beruflich mit einem Plus-, Business- oder Enterprise-Zugang nutzt, sieht keine Anzeigen.
- Eingeschränkte Branchen: Gesundheit und Finanzen sind in ChatGPT außerhalb der USA praktisch nicht buchbar.
- Kleines Budget: Unter etwa 1.000 Euro im Monat reicht das Geld selten für zwei aussagekräftige Tests. Dann lieber einen Kanal richtig.
Wann ChatGPT Ads mehr bringen kann
- Erklärungsbedürftige Angebote: Solaranlagen, Teamevents, Umbauten, Reisen, alles, wo man sich vor dem Kauf beraten lässt.
- Lange Abwägungsphase: Kunden, die Optionen vergleichen, bevor sie einen Anbieter suchen.
- Privatkunden: Der Kanal erreicht vor allem Menschen, die ChatGPT privat und kostenlos nutzen.
- Schnelles Nachfassen ist möglich: Wer Anfragen am selben Tag beantworten kann, holt aus den besseren Leads das meiste heraus.
Wie wir das Budget derzeit aufteilen
Für Unternehmen, auf die beides passt, empfehlen wir aktuell eine Aufteilung von etwa 2:1 zwischen Google Ads und ChatGPT Ads. Bei 3.000 Euro Monatsbudget heißt das rund 2.000 Euro für Google und 1.000 Euro für ChatGPT. Google bleibt damit die verlässliche Basis, ChatGPT bekommt genug Budget, um nach acht Wochen eine belastbare Aussage zu treffen. Danach verschieben wir anhand der Kosten pro Auftrag, nicht pro Klick.
Diese Aufteilung ist eine Momentaufnahme. Der Kanal ist neu, und wir passen die Empfehlung an, sobald mehr Daten vorliegen.
Welcher Kanal passt zu dir?
Fünf Fragen, eine Empfehlung. Die Auswertung ersetzt kein Gespräch, zeigt dir aber, wo du anfangen würdest.
Beantworte die fünf Fragen, dann erscheint hier unsere Einschätzung.
Fazit
Google Ads bleibt für die meisten Unternehmen die Basis, weil es Menschen mit konkretem Bedarf erreicht. ChatGPT Ads ergänzt das in einem früheren Moment, mit bisher weniger Spam und konkreteren Anfragen. Wer beide Kanäle im Verhältnis 2:1 testet, schnell nachfasst und nach Kosten pro Auftrag steuert, weiß nach acht Wochen, was für sein Geschäft funktioniert. Wir betreiben Google Ads und ChatGPT Ads und schauen uns beides gern gemeinsam mit dir an.


